Montag, 20. April 2015

Exkursion: Rhein-Herne Kanal (19.04.2015)

Nach langer Abstinenz meldet sich Ferro's Bioblog zurück. Wie bereits an diesen Zeilen zu lesen ist, werde ich in Zukunft diesen Blog in Deutsch weiterführen. Auf die Gründe dafür soll an dieser Stelle erst mal nicht näher eingegangen werde; ich hoffe dennoch weiterhin auf ein paar Leser. Daher nun direkt weiter zum Thema:

Und was gibt es für einen Neustart denn ein besseres Thema als einen Exkursionsbericht. Einmal mehr zog ich mit dem Botanischen Verein Bochum e. V. auf Fotosafari in die Landschaft, um ein paar Pflanzen der heimischen Flora zu betrachten und zu entdecken. Die Exkursion führte uns an den Rhein-Herne Kanal an der Grenze von Recklinghausen und Herne im Nördlichen Ruhrgebiet.



Ein stillgelegter Verladekran am Ufer des Kanals

Der Schwerpunkt der Exkursion lag auf Frühblühern und Ruderalpflanzen. Spektakuläre Neufunde und seltene Arten wurden nicht entdeckt, aber das war auch gar nicht Sinn der Sache. Viel mehr sollte in dieser Einsteiger Exkursion das Wissen um die typischen Arten vor der Haustür aufgefricht werden; von daher die perfekte Exkursion für den Neustart dieses Blogs.

1) Das Gebiet

Der Rhein-Herne Kanal führ von der Rheinmündung in Duisburg einmal quer durch das nördliche Ruhrgebiet nach Dortmund, wo er in den Emskanal mündet. Er wurde noch zu Kaiserzeiten gebaut und 1914 fertig gestellt, ehe er in den 60er Jahren des 21. Jahrhunderts modernisiert wurde. In fünf (ehemals sieben) durch Schleusen verbundene Kanalstufen überwindet er etwa 32m Höhenunterschied und dient vor allem Versorgung der Industrieanlagen des Ruhrgebiets mit Erz, Baustoffen und Rohstoffen sowie dem Transport von Kohle.

Rhein Herne Kanal in Richtung Duisburg




In Herne bildet er gleichzeitig die nördliche Grenze zu Recklinghausen und verläuft hier parallel zur Emscher, einem ca. 83km langem Nebenstrom der Ruhr, der auf Grund der starken Industrialisierung dieser Region in den letzten Jahrzehnten arg in Mitleidenschaft gezogen wurde und nur noch wenig von seiner natürlichen Gestalt übrig hat. Allerdings haben im Zuge des Strukturwandels an einigen Stellen Renaturierungsmaßnahmen begonnen, um die Emscher dort in ihren Natürlichen Zustand zurück zu bringen.

Die Emscher

Die Exkursion führte in einer kreisförmigen Route entlang des Nordufers vorbei am imposanten  Getreidesilo der Firma "Mills Union" bis zur Kanalbrücke an der Horsthauser Straße. Diese wird überquert und anschließend ging es am Südufer zurück zum Ausgangspunkt, der Kanalbrücke am Stadthafen.

Rhein-Herne-Kanal: Diesmal geht der Blick gen Osten Richtung Dortmund

Entlang dieses Weges befanden sich die typischen Gesellschaften urbaner Siedlungsflora wie Ruderalland, Gebüschsäume und Trockenflächen mit vielen Xerophyten. Die Flora umfasste einen bunten Mix aus Kulturfolgern, Neophyten, verwilderten Gartenpflanzen und anthropogen angesiedelten Arten.

Weitere Eindrücke - im Hintergrund ist das Kraftwerk in Herne zu erkennen

Keiner der Funde war jetzt besonders spektakulär, bildet aber schön die große Varianz an Arten ab, die auch innerhalb von Städten entlang scheinbarer "Unkrautflächen" gefunden werden können, was das Thema besonders spannend und ergiebig macht. Besonders fasziniert mich immer wieder, welch unterschiedliche Arten sich in diesen kleinen, ungewöhnlichen Lebensräumen angesiedelt haben. Es braucht eben nicht immer unberührte Natur oder ländliches Gebiet zu sein, um interessante Natur zu entdecken.


2) Artenliste


Es folgt die Artenliste. Diese umfasst die wichtigsten, von mir notierten Arten dieser Exkursion, ist aber nicht komplett. Die komplette Artenliste kann auf der Website des Botanischen Vereins Bochum unter www.botanik-bochum.de eingesehen werden.



3) Fotos

Tatsächlich wurde das Schäumende Blütenextrakt des Seifenkrautes (Saponaria officinalis) als Seifenersatzt benutzt.

Auch das Seifenkraut (Saponaria officinalis) tritt in Massenbeständen auf
Im Gegensatz zu ihrem Verwandten ist die Kleine Brennnessel (Urtica urens) ein Ackerkraut - wehrhaft ist aber auch sie

Trotz seines Namens ist der Berg-Ehrenpreis (Veronica montana) nicht allein auf Bergige Regionen beschränkt

Das Duft-Veilchen (Viola odorata) ist sehr bekannt
Die Riesen-Goldrute (Solidago gigantea) in einem für sie typischen Massenbestand

Das Norwegische Fingerkraut (Potentilla norvegica) ist eigentlich eine Gartenpflanze

Das aufrechte Fingerkraut (Potentilla recta) ist hingegen hier heimisch

Am Ufer wächst der Flussampfer (Rumex hydropalathum)

Die Wilde Karde (Dipsacus fullonum) mit einem Blütenstand aus dem Vorjahr

Wie kommt die Eibe (Taxus baccata) hierher?

Eine Sumpkresse (vermutlich Rorippa palustris agg.); genau lässt sie sich aber nicht bestimmen

Dies ist aber eindeutig der Gewöhnliche Ackerfrauenmantel (Aphanes arvense)
Raps (Brassica napus) - vermutlich eingeführt

Das Sandkraut (Drabna verna) - rechts im Bild ist die Blüte zu sehen

Klett-Labkraut (Galium aparine)

Gunderman (Glechoma hederacea)

Indische Scheinerdbeere (Potentilla indica)

Die Äste der Robinie (Robinia pseudoacacia) sind sehr wehrhaft

Die Armenische Brombeere (Rubus armeniacus) ist einer der häufigsten Neophyten

Das Quendel-Sandkraut (Arenaria serpyllifolia)

Bei Landwirten nicht sehr beliebt (Senecio jacobaea)

Bilderrätsel im Botanik-Stil: irgendwo hier haben sich Frühlings-Hungerblümchen (Draba verna) und das Stendelblättriges Sandkraut (Arenaria serpyllifolia) versteckt.
Drei Ruderalpflanzen aus drei unterschiedlichen Familien vereint auf engstem Raum: das Johanniskraut (Hypericum perforatum) links, der Persische Ehrenpreis (Hypericum perforatum) in der Mitte und der Gunderman (Glechoma hederacea) rechts