Sonntag, 27. November 2016

Pflanzenporträt: Echinocactus grusonii Hildm. (Cactaceae)

Der Goldkugelkaktus (lat.: Echinocactus grusonii Hildm.) aus der Familie der Kakteengewächse (Cactaceae) gehört zu den bekanntesten Kakteen der Welt. Wie bei den meisten Vertretern dieser Gattung wachsen die Triebe von E. grusonii kugelig und bilden auf diese Weise große, fassartige Vegetations-Körper aus, welche eine Höhe von 130cm und eine Breite von im Schnitt 80 cm erreichen können. Dadurch ähneln die Pflanzen bisweilen auch einem Hocker bzw. Schemel. In Verbindung mit dem starken Dornenbesatz hat das der Pflanze z. T. kuriose Trivialnamen wie „Schwiegermutterstuhl“ eingebracht.

E. grusonii - Typischer, kugeliger Wuchs

Der Trieb besitzt im inneren einen Kern aus Wachstumsgewebe (Meristem), der durch zahlreiche weiße und gelbe Härchen besonders vor Verdunstung geschützt ist. Zudem ist der gesamte Trieb in mehrere Rippen (mehr als 30 pro Pflanze) gegliedert. Auf diese Weise ist die Pflanze sehr flexibel und kann sich bei Wasseraufnahme ausdehnen und bei Verdunstung wieder zusammenziehen.

Typischen für einen Vertreter dieser Gattung ist die gesamte Oberfläche von E. grunsonii von langen Dornen besetzt. Diese dienen vor allem der Abwehr von Tierfraß, da Tiere immer wieder versuchen, an das in der Pflanze gespeicherte Wasser heranzukommen. Die Dornen sind umgestaltete Laubblätter und haben im Schnitt eine Länge von 5cm. Sie entspringen gruppenweise an Knoten entlang der Rippen des kugeligen Triebes. Junge Dornen haben eine goldgelbe Farbe, allerdings dunkeln sie mit der Zeit nach und werden eher bräunlicher.

E. grusonii - kann aber auch in Gruppen wachsen

Die Blüten wachsen am oberen Apex des Triebes innerhalb der gelblich behaarten Zone. Sie besitzen eine auffallen gelbe Farbe und sind von einem Kelch aus Dornen um geben. Nach der Bestäubung bilden sich pro Blüte mehrere, kugelige Früchte, die von einem Flaum aus weißer Wolle bedeckt sind.


E. grusonii ist in Mexiko beheimatet und wächst lokal an steilen Hängen in den Bundestaaten Hidalgo und Queretaro. Dabei ist sie einem heißen, trockenen Wüstenklima ausgesetzt, was auch das sukkulente Wachstum erklärt. Große Bestände wurden leider durch diverse Staudammprojekte zerstört, so dass die Art heute auf der Roten Liste zu finden ist.

Samstag, 19. November 2016

Pflanzenporträt: Welwitschia mirabilis Hook. F.

Der Begriff „immergrün“ ist eigentlich etwas irreführend, da auch die wintergrünen Pflanzen durchaus Blätter abwerfen und neue nachbilden; sie werfen sie nur nicht alle auf einmal am Ende der Vegetationsperiode ab wie die sommergrünen Pflanzen.

Welwitschia mirabilis Hook. F. - Habitus

Die einzig wirklich „immergrüne“ Pflanze ist wohl die Welwitschie (Welwitschia mirabilis Hook. F.), benannt nach dem Österreichischen Arzt Friedrich Weltwitsch, der die Pflanze 1859 auf einer Forschungsreise in Westafrika entdeckte. Die Welwitschie ist die einzige Art (ein Monophlyum) der Gattung Welwitschia aus der Familie der Welwischiaceae. Zusammen mit zwei anderen, ebenfalls monophyletischen Familien bilden sie die Ordnung der Gnetales innerhalb der Conniferopsida (Nacktsamer).

Welwitschia mirabilis Hook. F. - Am Ende sterben die beiden Laubblätter
langsam ab


Die Welwitschie ist in dem Sinne einzigartig, da sie wie bereits angesprochen wirklich immergrün ist. Die gesamte Pflanze bildet neben den Keimblättern Zeit ihres Lebens (was bis zu tausend Jahre sein kann) nur zwei Laubblätter aus *), die aus einem basalen, lebenslang aktiven Bildungsgewebe (Meristem) erwachsen. Im Laufe der Zeit fransen diese Blätter durch Wind, Fraß und Wachstum immer mehr auf und sterben an der Spitze ab, so dass der Eindruck entsteht, die Pflanze besitzt zahlreiche lianenartigen Blättern. Die durchschnittliche Länge dieser Blätter kann bis zu 2,5m betragen.

Welwitschia mirabilis Hook. F. - Jungpflanze

W. mirabilis
ist zweihäusig getrennt geschlechtlich, es gibt also rein männliche und rein weibliche Pflanzen. Die Blüten stehen in zapfenartigen Blütenständen in den Schuppen der Laubblätter. Während die männlichen Zapfen in relativ lockeren Rispen angeordnet sind, stehen die weiblichen Zapfen etwas dichter zusammen. Ihr Aufbau ist etwas komplexer, da die Blütenhülle hier aus verwachsenen Hochblättern besteht. Das hier gezeigte Exemplar ist männlich.

Welwitschia mirabilis Hook. F. - männlicher Blütenstand (Kreis)


Die Art ist endemisch in der Wüste Namib in Südwest-Afrika zu finden. Ihr Verbreitungsareal umfasst die Gebiete von Angola und Namibia. Sie wächst an trockenen Standorten und ist in der Regel mehr im Landesinneren (aber nie an der Küste) zu finden. Die Wasserversorgung stellt sie über eine tiefe Pfahlwurzel sicher, allerdings umspannt das Netzwerk aus Nebenwurzeln auch ein größeres Areal von bis zu 15m. Manche Forscher gehen davon aus, dass sie eine CAM-Pflanze ist, was aber bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte.

Auf Grund ihres einzigartigen Blattwuchses und ihres auffälligen Habitus genießt die Welwitschie in der Botanik einen hohen Bekanntheitsgrad. Hooker bezeichnete sie als eine der „schönsen und gleichzeitig hässlichsten Pflanzen“, die er je hatte untersuchen dürfen. Die Art gilt als die Nationalpflanze Namibias und ist auch im Wappen des Landes zu finden. Auch wenn sie nicht direkt vom Aussterben bedroht ist, gehört sie deswegen zu den Geschützen Arten.


*) Anmerkung Mittlerweile wurden auch Varianten mit vier Laubblättern entdeckt. Diese Abweichung sind jedoch selten

Sonntag, 24. Januar 2016

Exkursion: Moose & Flechten mit dem Botanischen Verein Bochum (Januar 2016)

Auf Grund persönlicher Umstände bzw. anderer Aufgaben ist die Botanik bei mir in 2015 leider etwas zu kurz gekommen. Daher bot es sich als Vorsatz für 2016 nahezu an, sich wieder mehr mit meiner großen Leidenschaft zu beschäftigen, zu mal der Januar dafür mit der Flechten Exkursion des Botanischen Vereins Bochum einen idealen Punkt für den Wiedereinstieg bietet. Diese Exkursion wird bereits seit mehreren Jahren angehalten und eignet sich auch ideal für Einsteiger oder Leute wie mich, die ihr Wissen mal wieder auffrischen wollen. Wer nun mehr über den Verein und seine Mitglieder erfahren will, sei ein Besuch auf dessen Seite zu empfehlen (http://www.botanik-bochum.de/).

Exkursionsgebiet: die FH Bochum im Süden der Stadt
Ziel der Exkursion ist es, lose die verschiedenen Flechten & Moosarten aufzuzeichnen und zu kartieren, die auf dem Gelände der Ruhr Universität Bochum, meinem ehemaligen Studienort, wachsen. Da diese Organismen von den Jahrszeiten weitgehend unbeeinflusst existieren, bietet sich die Exkursion gerade für den Januar an, da so auch im Winter der Botanischen Feldarbeit nachgegangen werden kann und andere, höhere Pflanzen die Organismen nicht so schnell überdecken.

Die Betonflächen sind reich an Flechtenbewuchs

Anders als in den früheren Artikeln dieses Blogs werde ich versuchen, meinen Beitrag etwas bescheidender und sachlicher zu halten. Ich möchte meine Eindrücke und Erkenntnisse vermitteln und weniger trocken Arten aufzählen. Einmal mehr empfehle ich daher einen Besuch auf der Seite des Botanischen Vereins, da hier in der Regel auch detaillierte Artenlisten zu finden sind. Ich möchte zudem darauf hinweisen, dass ich in dem Thema eher Laie bin und daher nicht gefeilt vor Fehlern. Sofern ich eine Art falsch anspreche, möge man dir dies verzeihen, ich bin natürlich offen für jede Korrektur in den Kommentaren.

2. Exkursionsgebiet

Anders als in den Vorjahren fand die Exkursion diesmal nicht direkt auf dem Campus der Ruhr Universität statt, sondern vor der Fachhochschule Bochum, die sich am südöstlichen Rand des Campus befindet. Hier befinden sich viele Betonplatten, Steinmauern und angepflanzte oder verwilderte Laubbäume wie die Platane (Platanus agg.) oder der Feldahorn (Acer campestre L.), die ein ideales Substrat für Flechten- und Moosbewuchs abgeben.

z. B. Lecanora muralis (Schraeb.) Rabenh. eine weit verbreitete Krustenflechte

Unterstützt wird dieser Bewuchs durch die Lage der Fachhochschule am Stadtrand von Bochum. Hier befinden sich einige stark befahrene Straßen (z. B. die als Südachse verlaufene Universitätsstraße sowie deren Nebenstraßen wie die Lennershofstraße oder die Schattbachstraße). Durch den starken Verkehr ist der Stickstoffanteil in der Luft sehr hoch, wovon gerade die Stickstoff liebenden Flechtenarten profitieren. Hierbei handelt es sich um einen Begleiteffekt der Maßnahmen gegen Luftverschmutzung aus den letzten Jahrzehnten. Früher war die Schwefelbelastung in der Luft sehr hoch, was zur Bildung des sog. sauren Regens führte. Um diesem Phänomen Herr zu werden, wurden in die meisten Autos Katalysatoren installiert und die Schornsteine von Fabriken mit Filtern versehen. Dadurch sankt der Schwefelanteil erheblich, gleichzeitig stieg aber der Stickstoffanteil, was  sich in einem Wandel der Diversität an Flechten, Moosen und Pilzen niederschlug.

Darf natürlich auch nicht fehlen: das Mauer Drehzahnmoos Tortula muralis Hedw.

Der aufgewirbelte Feinstaub imprägniert zudem die Borke der Bäume mit einer feinen Mineralschicht, auf der die Flechten greifen können. Dazu sollte aber gesagt werden, dass sich der Feinstaub eher in den Wipfeln der Bäume niederlässt und hier die Artenvielfalt in der Regel höher ist als an der Borke. Daher sollten besonders abgebrochene Äste oder Windwurf betrachtet werden.

3. Biologischer Hintergrund

Da ja nun doch schon einige Zeit seit dem letzten Artikel in diesem Blog (und insbesondere seit dem letzen Flechten Artikel) ins Land gezogen sind, möchte ich an dieser Stelle doch kurz einen kleinen Überblick über die beiden Hauptgruppen vermitteln, um die es heute geht: Flechten und & Moosen.

3.1 Flechten

Flechten gehören zu den Pilzen, genauer gesagt zu den Lecanoromycetes (einer Klasse innerhalb der Pezizomycotina (Echte Schlauchpilze). Im Laufe der Evolution  haben die  Hyphen dieser Pilze diverse Vertreter der Algen quasi umwachsen und eingeschlossen. Im Laufe der Zeit entstand dadurch eine Symbiose, aus Pilz und Alge, die es dem Pilz ermöglichte, durch die Photosynthese der Alge neue Nährstoffquellen zu erschließen und als Pionier neue Substrate zu bewachsen. Über den
wechselseitigen Vorteil dieser Symbiose darf aber debattiert werden. Vermutlich zieht die Algen keinen wirklichen Nutzen daraus, hat aber auch keine gravierenden Nachteil.

Diverse Flechtenarten auf einem Baum u. a. Xanthoria parietina 
oder Punctella jaeckeri


Flechten bestehen grob gesagt aus zwei Abschnitten: dem Thallus und den Apotecien. Erster ist der sog. vegetative Teil der Flechte und kann verschiedene Formen und Farben annehmen. Bei den Apothecien handelt es sich dagegen um die Becherförmigen Fortpflanzungsorgane und Sporenträger auf der Oberfläche des Thallus. Wir können vier Arten von Flechten unterteilen


  • Krustenflechten: Die sind sicher den meisten bekannt. Sie wachsen als fest dem Substrat angedrückte, harte Kruste auf Beton, Mauern, Dachschindeln usw. Krustenflechten wachsen aber natürlich auch auf Bäumen bekannte Vertreter sind hier die allgegenwärtige Mauerflechte Lecanora muralis (Schreb.) Rabenh. oder die Gelbflechte Calloplaca citrina (Hoff.) Th. Fr.

Lecidella stigmatea ist weniger bekannt
aber dennoch häufig.
Calloplaca citrina ist eine weitere
typische Krustenflechte
  • Blattflechten: Blattflechten besitzen einen laubartigen oder lappigen Thallus, der eine Vielzahl von Formen annehmen kann und daher als Bestimmungsmerkmal gilt. Beispiel: Parmelia sulcata Taylor.
Typische Blattflechte: Flavoparmelia caperarta auf Rinde.

  • Strauchflechten: Wachsen auf Totholz, Bäumen, Felsen oder auf dem Boden. Sie besitzen einen aufrechten Wuchs und wirken wie kleine Büsche, wodurch sich teils spektakuläre Formen ergeben. Dazu gehören z. B. die Arten aus der Gattung Cladonia (Trompetenflechten), Bartflechten (Gattung Usnea) oder das weit verbreitete Eichenmoos (Evernia prunastri (L.) Ach.)

Usnea hirta - Tatsächlich wurde
auch ein Vertreter der Bartflechten gefunden.
Evernia prunastri (Eichenmoos)
- eine typische Strauchflechte

  • Gallertflechten: Diese spezielle Gruppe der Flechten geht die Symbiose nicht mit Algen sondern mit Cyanobakterien (Blaualgen) ein. Dadurch wird der Thallus gallertartig bzw. glibberig; insbesonders im feuchten Zustand.

3.2 Moose

Die Moose gehören zu den niederen Landpflanzen. Anders als die höheren Landpflanzen besitzen sie kein ausgebildetes Leitgewebe sondern nehmen Wasser meist direkt über die Oberfläche auf. Dadurch werden Sie zwar nie sehr groß, sind aber unempfindlicher gegen Austrocknung oder Wassermangel. Moose gehören zu den Poikilohydren Organismen (deutsch; wechselfeucht). Das bedeutet, dass sie keinen konstanten Wasserhaushalt haben, sondern ihre Feuchtigkeit von der Umgebungsfeuchte abhängt. Moose können daher nahezu komplett austrocknen, auf diese Weise überdaueren und sofort nach Zugabe von Wasser sich wieder vitalisieren.

Orthotrichum affine (Goldhaarmoos) als
typisches Laubmoos
Als Sporenpflanzen setzt sich der Lebenszyklus eines Moosen aus zwei abschnitten zusammen: dem Gametophyten und dem Sporophyten. Der Gametophyt ist haploid und entsteht aus der Keimung einer Spore. Er ist quasi das, was wir allgemein als Moos wahrnehmen; also der grüne "Blatt-Körper". Darauf entsteht meistens nach Befruchtung von Keimzellen der diploide Sporophyt, in dessen endtändiger Kapsel sich neue Sporen durch Meiose bilden. Die werden ausgebreitet und der Zyklus beginnt von vorne.

Ähnlich wie bei den Flechten lassen sich die Moose grob in drei Abteilungen aufteilen

  • Laubmoose (Bryophyta): Hierzu gehören die meisten rezenten Moose und diese dürften auch dem Laien am bekanntesten sein. Der Gametophyt wächst Laubartig mit grünen Blättchen (es sind aber keine richtigen Blätter), während der Sporophyt aus den Achsel dieser Blättchen empor wächst und sich über den Gametophyten erhebt. Alle auf dieser Exkursion gefundenen Moose wie Hypnum cupressiforme Hedw, S. Str.
Hypnum cupressiforme - Zypressen-Schlafmoos
  • Lebermoose (Marchantiophyta): Anders als die Laubmoose wirken die Lebermoose im Wuchs lappiger und nicht so fein verzweigt. Zudem besitzen sie oft eine ölige Oberfläche. Die Sporenkapsel sitzt in der Regel direkt auf oder hat nur eine kurze Seta.
Ceratodon purpureum - 
  • Hornmoose (Anthoceratorphyta): Die kleinste Abteilung der Moose. der Gametophyt ähnelt dem der Lebermosse, ist aber lappiger. Charakteristisch und namensgebend für die Hornmoose sind jedoch die schlotartigen Sporophyten, die wie kleine Hörner auf dem Gametophyten wachsen. Innerhalb dieses Schlotes sind die Sporenkapseln entlang einer Längsachse, der sog. Columella angeordnet.

An dieser Stelle soll es mit dem Überblick gewesen sein. Für weitere Informationen empfehle ich jedoch meinen früheren Artikel zu Flechten allgemein


4. Ergebnisse

Insgesamt hat sich der Trip gelohnt. Es wurden viele interessante Arten (eine genaue Anzahl folgt) gefunden, wenn auch jetzt kein besonderer Exot. Vor allem konnte das Wissen über Flechten etwas aufgefrischt werden und zudem habe ich zu meinem persönlichen Gefallen festgestellt, dass ich nach der längeren Pause doch noch nicht so viel vergessen habe wie befürchtet.